Bürgerbrief – Zwischen Freude und Disziplin
6. Juli 2021

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

die aktuellen Corona-Zahlen in unserer Gemeinde geben Grund zur Freude. Der Inzidenzwert ist deutlich zurückgegangen und entspricht dem gesamten Landes- und Bundestrend. Wir alle genießen aktuell die zurückgewonnenen Freiheiten, die durch Lockerungen möglich wurden. Gerade die privaten Treffen, die in den letzten Monaten nur sehr umständlich oder gar nicht stattfinden konnten und deren Fehlen uns eine bleierne Schwere vermittelt hat, helfen uns – neben der Impfdynamik – Licht am Ende des Tunnels zu sehen.

Jedoch ist noch nicht alles beim Alten und die Erfahrungen, die wir in dieser Pandemie sammeln mussten, mahnen uns dazu, weiter vorsichtig zu agieren. Es gelten weiterhin Abstandsgebot, Maskenpflicht in gewissen Situationen usw. Wir sollten auch bei aller Freude und Notwendigkeit, nun wieder in ein „normales“ Leben zurückzukehren, aufpassen, dass wir nicht zu viele Schritte auf einmal nehmen und somit wieder in eine Dynamik stolpern, wie das letzten Herbst nach der Urexweiler Kirmes der Fall war. Damals wuchs der Inzidenzwert in unserer Gemeinde innerhalb weniger Tage von 0 auf 400 an und viele Mitbürgerinnen und Mitbürger steckten sich an. Die Verunsicherung wuchs.

Klar ist der Sommer bzw. der Herbst 2020 nicht mit diesem zu vergleichen, da wir durch die Impfungen gerade die Risikogruppen besser geschützt haben, aber dennoch gibt es eine Vielzahl von Personen, die noch nicht geimpft werden konnten. Vor dem Hintergrund der aktuell immer noch sehr strengen Bestimmungen und Regeln für Veranstaltungen und des über allem schwebenden Risikos eines größeren Corona-Ausbruchs sehe ich es als sehr schwierig an, eine Kirmes zu organisieren und wie in normalen Jahren zu feiern. Menschen treffen, miteinander spròoche und sich nahekommen, das ist es, was zum Beispiel die Marpinger Marienkirmes als Veranstaltung ausmacht. Dem stehen das Abstandsgebot und gegebenenfalls auch die Maskenpflicht auf dem Fest grundsätzlich entgegen. Zudem macht es sicherlich auch keinem Veranstalter Freude, stets und ständig die Besucher auf die notwendigen Regeln hinzuweisen und ebenso wird es die Besucher anstrengen, immer darauf zu achten, auch die Regeln einzuhalten.

Wie gerne würde ich dieses Jahr ein Bierfass am Autoscooter in Marpingen nach der Kerwerede des Jòohrgangs anstechen, um dann eine wunderbare Kirmes zu feiern, aber leider stellen die für eine Veranstaltung in dieser Größenordnung weiterhin geltenden Hygieneregeln eine hohe Hürde dar. Vereine, Schausteller und alle Beteiligten müssten im Rahmen der Kontaktnachverfolgung die Besucher erfassen oder Tagestickets im beschränkten Maße ausgeben. Zudem müsste der Platz komplett eingezäunt und der Zugang geregelt werden.

Es stimmt, dass die Lockerungen Veranstaltungen zwar grundsätzlich zulassen. Bedenkt man aber, was den Charakter unserer Marienkirmes ausmacht, stellt sich die regelkonforme Durchführung als kaum umsetzbar dar. Deshalb bin ich auch dem Ortsrat Marpingen dankbar, dass hier eine gemeinsame und über die Parteigrenzen hinweg klare Linie gefunden wurde und die Kirmes in diesem Jahr erneut schweren Herzens abgesagt wird. Ich bedanke mich ausdrücklich für das Einvernehmen der Ortsratsfraktionen, die diese nicht einfache Entscheidung zum Wohle aller getroffen haben. Wichtig ist vor allem für unsere an der Kirmes teilnehmenden Vereine, dass sie Planungssicherheit haben und die wurde jetzt erlangt. Es ist auch nicht praktikabel, bei einer solch großen Veranstaltung abzuwarten bis kurz vor den regulären Termin, um zu sehen, wie dann die Lage ist.

Ich habe die Hoffnung, dass wir mit zahlreichen kleineren, dezentralen Veranstaltungen bei den Gaststätten oder durch Vereine einen schönen Sommer mit Kultur, Musik und Gemeinsamkeit erleben können. Wir sollten schauen, dass wir im kleineren Rahmen die uns gegebenen Möglichkeiten des Zusammenkommens nutzen und langsam, aber eben auch sicher, das gesellschaftliche Leben hochfahren.

Ja, ich weiß, dass es einige gibt, die dieser Argumentation hier nicht folgen können und da eine andere Meinung vertreten, aber man muss sich als Veranstalter einer solchen großen Kirmes auch immer der Verantwortung bewusst sein und wir wissen aus leidvoller Erfahrung aus dem letzten Jahr, dass die Zahl der Coronainfektionen sehr schnell und unerwartet in die Höhe schnellen können. Aktuell ist eben zum Beispiel nicht wirklich klar wie sich die Delta-Variante entwickeln und welche Auswirkungen das auf unser gesellschaftliches Leben haben wird. Mir ist wichtig, dass wir behutsam mit der aktuellen Lage umgehen und in Zusammenarbeit mit der Ortspolizeibehörde versuchen wir, alles an Feierlichkeiten möglich zu machen, was der rechtliche Rahmen hergibt und vertretbar erscheint.

Ich hoffe, dass Sie sehen und merken, dass solche Entscheidungen auch im Jahr zwei der Pandemie nicht leichtfallen. Ich würde sehr viel lieber wieder eine italienische Nacht, unsere Kirmessen und unsere Vereinsfeste feiern und gemeinsam mit Ihnen allen ins Gespräch kommen, als auf Abstand, durch Videokonferenzen oder nur schriftlich in Kontakt zu stehen.

Mit freundlichen Grüßen

Volker Weber
-Bürgermeister-