Konzepte für das Einkaufen der Zukunft in der Gemeinde Marpingen
28. Januar 2021

Wie sieht das Einkaufen der Zukunft in unseren Dörfern aus? Wie können sich gerade sehr alte, wenig mobile und alleinstehende Menschen in unserer Gemeinde selbstständig mit Lebensmitteln und Artikeln des täglichen Bedarfs versorgen? Wie nachhaltig und regional sind die Produkte, die man vor Ort einkaufen kann? „Das sind wichtige Fragen, die die Gemeindeverwaltung und mich umtreiben, und Probleme, die sich in unseren Dörfern durch den demografischen Wandel noch verstärken werden“, sagt Bürgermeister Volker Weber.

Die Zahl der älteren Menschen in unserer Gemeinde steigt und bei vielen nimmt die Mobilität im hohen Alter ab. Schon heute sind 27 Prozent der BürgerInnen der Gemeinde über 65 und fast 10 Prozent sogar über 80 Jahre alt. Gleichzeitig verlassen viele jüngere Menschen die Gemeinde und stehen den Älteren nicht mehr ständig als Hilfe zur Verfügung. Zudem haben in den letzten Jahrzehnten immer mehr Einzelhandelsunternehmen und Lebensmittelmärkte schließen müssen.

Ältere Menschen müssen sich ohne Hilfe versorgen können

„Zurzeit kann man nur noch in Marpingen zu Fuß einkaufen gehen.mUnd auch das ist für viele Ältere aufgrund der steilen Straßen im Ort kein Vergnügen“, so Bürgermeister Volker Weber. „Wir müssen in den kommenden Jahren neue Einkaufskonzepte schaffen, mit denen sich ältere Menschen ganz ohne fremde Hilfe selbst versorgen können. Gleichzeitig halte ich es für sehr wichtig, dass es auch neue, moderne und nachhaltige Einkaufsmöglichkeiten für die gesamte Bevölkerung gibt. Auch hierfür müssen neue Konzepte und Ideen her“, so der Bürgermeister.

Natürlich steht die Gemeinde Marpingen mit den Problemen des demografischen Wandels und der fehlenden Einkaufsmöglichkeiten im ländlichen Raum nicht allein da, auch andernorts wird nach Lösungen gesucht. Ein Lösungsansatz wird zum Beispiel seit 2017 in unserem Nachbarort Remmesweiler erprobt. Beim Projekt „Smart Village St. Wendeler Land“ können dort Lebensmittel und Artikel des täglichen Bedarfs heute schon über eine Onlineplattform bestellt werden. Das Projekt wird dabei mit EU-, Bundes und Landesmitteln gefördert.

Bürgermeister Volker Weber hat dieses Projekt schon mehrmals vor Ort besucht und sich die Abläufe angeschaut.

„Natürlich wurde ich schon oft gefragt: Warum machen wir das in der Gemeinde Marpingen nicht auch?“, sagt Bürgermeister Weber. „Ich finde das Projekt gut, aber für unsere Gemeinde wäre es nach meiner Meinung nur eine Notlösung, denn es gibt dabei zwei Schönheitsfehler: 1. In Remmesweiler werden die online bestellten Lebensmittel nur zu einem zentralen Verteilort im Dorf geliefert. Das ist für mich nur die halbe Lösung, die Einkäufe müssen älteren und wenig mobilen Bürgerinnen und Bürgern bis zur Haustüre geliefert werden. Ein 80- jähriger Mann mit gesundheitlichen Einschränkungen wird seine Einkäufe nicht – zum Beispiel –  vom künftigen Dorfgemeinschaftshaus in Urexweiler bis auf den Schalksberg oder vom DGH Berschweiler bis zum Ende des Engstereck tragen wollen und können. 2. Der Hauptlieferant des Projektes ist die Globus Gruppe. Globus ist ein tolles regionales Unternehmen. Allerdings möchte ich unseren noch vorhandenen Geschäften und Supermärkten vor Ort mit einem Globus-Lieferdienst nicht noch mehr Konkurrenz machen. Aus diesem Grund sind wir in engen Gesprächen mit den Machern von Smart Village, um nach einer Lösung mit lokalen Partnern zu suchen“, erklärt Volker Weber. 

Lebensmittel online aber in der Gemeinde bestellen ­– Zeitpunkt dank hoher Fördermittel günstig

 „Unsere Vorstellung wäre ein Lieferdienst bis vor die Haustüre, mit kleinen und großen Partnerunternehmen aus dem Einzelhandel vor Ort. Wir sind als Verwaltung bereit, einen solchen Lieferdienst zu unterstützen und uns nach Fördermitteln für ein solches Projekt umzusehen. Erste Gespräche in diese Richtung habe ich schon geführt, aber auch gemerkt, dass das kein einfacher Weg wird“, so Bürgermeister Weber.

Die Gelegenheit ein solches Projekt zu starten, ist dabei im Moment sehr günstig. Im Landkreis St. Wendel stehen durch die Teilnahme am Modellprojekt „Smart Cities“ der Bundesregierung insgesamt 15,7 Millionen Euro an Fördermitteln zur Verfügung. Mit dem „Smart Cities“-Programm unterstützt der Bund Zukunftsprojekte für die Entwicklung und Umsetzung digitaler Technologien in den Kommunen. Wir brauchen in unserer Gemeinde kluge Konzepte, mit denen wir unsere lokale Wirtschaft und die nicht mehr mobilen Bevölkerungsgruppen einfach und unproblematisch zusammenbringen. Keine einfache Aufgabe, der sich der Bürgermeister zusammen mit der Gemeindeverwaltung dennoch widmet.

Nachhaltige neue Geschäfte und Verkaufsautomaten

Eine gute Nahversorgung vor Ort, nicht nur für Ältere, kann nach Ansicht der Gemeindeverwaltung aber nicht nur in einem Online-Lieferdienst basieren. „Wir brauchen weiterhin einen starken Einzelhandel vor Ort und wir brauchen darüber hinaus neue, moderne und nachhaltige Angebote.

Grundlage sollte ein Mix aus attraktivem lokalem Handel und Onlineangeboten sein. „Schon als die Schließung des kleinen Lebensmittelmarktes in Urexweiler angekündigt wurde, hat die Gemeindeverwaltung versucht, an derselben Stelle einen neuen kleinen Markt mit nachhaltigem Konzept anzusiedeln. Das ist leider aufgrund vieler verschiedener Faktoren nicht gelungen. Ich bin der Meinung, dass in unserer Gemeinde genug Kundschaft für einen kleineren Biomarkt oder einen Unverpackt-Laden mit regionalen Produkten vorhanden wäre und stehe auch in Kontakt mit verschiedenen Anbietern“, so der Bürgermeister.

Auch einen Wochenmarkt in der Gemeinde mit mehreren Anbietern aus der Region würde die Gemeindeverwaltung sich wünschen. „Hier müssen wir auf die Suche nach neuen Standbetreibern und Direktvermarktern gehen und diese für die Gemeinde Marpingen gewinnen. So können wir das Angebot an frischen, nachhaltigen und regionalen Lebensmitteln in unseren Dörfern steigern“, so Weber. Viele dieser Vorhaben sind im letzten Jahr aufgrund der aktuellen Pandemielage leider etwas ins Stocken geraten. Die Gemeindeverwaltung ist mit einigen Anbietern und Standbetreibern im Gespräch.

Zusätzlich ist die Gemeindeverwaltung auch vom Gemeinderat beauftragt, die Ansiedlung eines Supermarktes am Ortsrand von Urexweiler voranzutreiben.

Eine mögliche, aus Sicht der Verwaltung aber weniger attraktive Lösung des Nahversorgungsproblems wären Verkaufsautomaten an zentralen Stellen der Dörfer. Dort könnten dann Lebensmittel oder Artikel des täglichen Bedarfes an einem oder mehreren Automaten gekauft werden. „Auch das sehe ich persönlich eher als Notlösung an“, so Bürgermeister Weber, „Auch hier würden weniger mobile Menschen nicht wirklich profitieren und es fehlen die sozialen Vorteile, die ein Dorfladen oder ein Biomarkt mit sich bringen“, so Weber.

Im Laufe dieser Woche fand ein erneutes Gespräch zwischen Bürgermeister Volker Weber und der Wirtschaftsförderungsgesellschaft St. Wendeler Land statt, um das weitere Vorgehen zu besprechen und zukunftsfähige Lösungen für unsere Gemeinde zu finden.

„Alle Akteure mit ihren verschiedenen Interessen unter „einen Hut“ zu bekommen, ist keine leichte Aufgabe. Wir versuchen jetzt, die notwendigen Weichen für gute Konzepte zu stellen, und werden auch auf ehrenamtliche Mitarbeit angewiesen sein.

Die lokale Nahversorgung ist ein für unsere Gemeinde essenziell wichtiges Thema, das alle Bürgerinnen und Bürger betrifft, die hier in Zukunft auch weiterhin gut wohnen und leben wollen. Wie wir diese Nahversorgung gestalten, haben wir selbst in der Hand. Hier sind neue Ideen und Konzepte gefragt. Einige meiner Ideen konnte ich ihnen in diesem Text vorstellen.“, so Bürgermeister Volker Weber.