„Songs gegen rechts“ mit „Brillanten“ Texten
Songs gegen Rechts live

10. Marpinger Mühlengespräche“ setzten deutliche Zeichen in musikalischer Form

(gh.) In Zeiten, in denen die Grundprinzipien der politischen Ordnungs- und Wertvorstellungen, auf denen die liberale und rechtsstaatliche Demokratie in Deutschland seit fast siebzig Jahren beruht, von extremistischen Strömungen in zunehmendem Maße in Frage gestellt werden, ist die Gesellschaft nach langen Jahren einer bequemen Lethargie aufgerufen, wieder deutlicher Stellung zu beziehen für die freiheitlich-demokratische Grundordnung und die daraus resultierenden Werte, deren Bewahrung über Jahrzehnte als ganz selbstverständlich betrachtet wurden. Bei dieser neuen oder neu aufgeflammten Herausforderung sind gerade auch die Kommunen, die als kleinste politisch-geografische Verwaltungseinheiten gleichsam an der Basis operieren, besonders gefordert.

Dieser Verpflichtung stellt sich die Gemeinde Marpingen schon seit einigen Jahren, insbesondere in den gemeinsam mit dem hier ansässigen Verein „Wider das Vergessen und gegen Rassismus“ seit 2006 regelmäßig durchgeführten „Marpinger Mühlengesprächen“. In diesem Jahr fanden im Kulturzentrum „Alte Mühle“ gleich zwei dieser „Mühlengespräche“ statt, und beide befassten sich – wenn auch in recht unterschiedlicher Weise – mit unsäglichen nationalistischen Taten und Tendenzen.

Während der bekannte Liedermacher Uli Valnion am geschichtsträchtigen 8. Mai im Rahmen der 9. „Marpinger Mühlengespräche“ mit seinen teils traditionellen Liedern und Texten aus den Konzentrationslagern den ermordeten Opfern Nazi-Deutschlands buchstäblich wieder eine Stimme gab, hatten Jürgen Brill und seine in der Band „Brillant“ eindrucksvoll formierten musikalischen Mitstreiter/innen bei den 10. „Marpinger Mühlengespräche“ Ende September an gleicher Stelle eher die neuen Rechten und Neo-Nazis mit ihrer ebenso menschenverachtenden Ideologie im Visier.

Trotz der ernsten Thematik gelang es der sechsköpfigen Band, in der neben dem musikalischen Leiter und den weiteren Gründungsmitglieder Stefan Scharle (am Bass) und Peter Morsch
(am Schlagzeug) mittlerweile mit Clara, Jacob und Clemens Brill die nächste Generation aus dem Hause „Brill“ aktiv und engagiert ist, das krude, hetzerische, oft genug auch verbrecherische Gebaren rechtsextremer Zeitgenossen nachdenklich-amüsant zu beleuchten und zu kommentieren. Grundlage waren dabei geradezu „Brillante“ Texte aus der Feder von Jürgen und Clara Brill, Texte von satirisch-geschliffener Schärfe und entlarvender Deutlichkeit, die in einer musikalisch großartigen Verarbeitung mit viel Engagement und Herzblut präsentiert wurden. Als musikalische Botschafter eines von Vorurteilen aller Art freien Miteinanders aller Menschen, unabhängig von ihrer Herkunft oder Rasse, ihres Geschlechts, Alters, religiösen Zugehörigkeit oder sexuellen Ausrichtung, gelang dem Sextett ein starkes politisches Statement, das unter die Haut ging und berührte.

Das Publikum war begeistert und entließ die Band „Brillant“ nicht ohne Zugaben. Die Gemeinde Marpingen dankt Jürgen Brill und seiner Band „Brillant“ sehr herzlich für das beeindruckende Konzert und ihr tolles Engagement. Die einhellige Meinung war, dass dieses lobenswerte musikalische Projekt eine Fortführung verdient und das Konzert „Songs gegen rechts“ öfter aufgeführt werden sollte.

Ein weiterer Dank der Gemeinde gilt dem Verein „Wider das Vergessen und gegen Rassismus“, namentlich seinem Vorsitzenden Eberhard Wagner, der die Besucher/innen mit nachdenklichen Worten auf das Konzert eingestimmt hatte, sowie den Vorstandsmitgliedern Heinz Wendelgaß und Anne Thome-Brill für die organisatorische Mithilfe bei der Vorbereitung der Veranstaltung.