Wie wir Berschweiler vor Sturzfluten schützen wollen

Konkrete Pläne für Sturzfluten-Schutz in Berschweiler

So etwas hatte Berschweiler noch nie erlebt. Im Sommer 2016 strömte, nach extrem starken Regenfällen, Wasser unaufhörlich die gesamte Südflanke des Dorfes entlang. Wassermassen spülten auf Grundstücke und durch Häuser. Zunächst in den Straßen „Auf Weißmauer“ und „An der Hümes“, bald darauf in den daruntergelegenen Straßen,  wurden Keller unter Wasser gesetzt. „Starkregen und Sturzfluten trafen die Bürgerinnen und Bürger in Berschweiler hart und überraschend“, so Bürgermeister Volker Weber, „sie mussten hohe Schäden an ihren Häusern und ihrem Eigentum hinnehmen. Ich denke jedem ist klar, dass wir so etwas nicht mehr erleben möchten.“

Die Gemeindeverwaltung hat schnell nach Unwetter und Sturzfluten reagiert. 2017 wurde im Bereich Starkregenschutz eine Kooperation mit der Fakultät für Architektur und Bauingenieurwesen der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes (htw saar) vereinbart. Studenten und Professoren suchten nach Möglichkeiten Berschweiler und die gesamte Gemeinde besser zu schützen. „Die Ergebnisse dieser Kooperation liegen jetzt vor“, so Bürgermeister Weber, „wir haben nun detaillierte Pläne und kennen die Kosten für ein Großprojekt in Berschweiler.“

Das Konzept der Hochschule sieht eine Schutzanlage entlang des gesamten Berschweiler Rothenbergs in drei voneinander unabhängigen Bauabschnitten („Lose“ genannt) vor.

  1. Abschnitt oberhalb (südlich) der Straßen „Zur Frankenbach“ und westlicher Teil von „An der Hümes“. Hier plant die Gemeinde einen 592 Meter langen Graben, mit dem nicht versickertes Regenwasser in Richtung Westen zur Alsbach abgeleitet werden soll. Die Netto-Baukosten belaufen sich nach vorläufiger Planung auf rund 112.000 Euro.
  2. Abschnitt oberhalb (südlich) der Straße „An der Hümes“. Hier soll das Herzstück des Sturzflut-Schutzes entstehen. Die Gemeinde plant ein rund 500 Meter langes Grabensystem. Regenwasser soll so künftig im schon vorhandenen Entwässerungsgraben (Mitte „An der Hümes“) gesammelt werden. Allerdings soll das Regenwasser nicht wie bisher in den Abwasserkanal geleitet, sondern mit einem Kanalneubau am Sportplatz vorbei hin zur Alsbach geleitet werden. „Mit dieser Fremdwasserentflechtung entlasten wir das bei Starkregen sehr belastete Abwasserkanalsystem und verhindern ein Überlaufen. Außerdem sparen wir so Geld, denn die angeschlossene Kläranlage muss weniger Wasser aufbereiten und wird ebenfalls entlastet“, erklärt Bauamtsleiter Ingolf Straß. Die Netto-Baukosten für diesen Abschnitt belaufen sich auf zirka 217.000 Euro nach jetziger Planung.
  3. Abschnitt oberhalb (südlich) der Straße „Auf Weißmauer“, nördlich des Rothenbergerhofes. Hier plant die Gemeinde einen 300 Meter langen Graben. Das Regenwasser soll nach Osten hin zum Meulwiesbach und dann in die Alsbach fließen. Zusätzlich müsste am stark abfallenden Gelände zwischen „Auf Weißmauer“ und Talaue ein Sturzbauwerk gebaut werden, um dort Bodenerosion zu vermeiden. Die geschätzten Kosten hier: 126.000 Euro netto.

Alle Bauabschnitte wurden so geplant, dass sie sich auch als Einzelprojekte verwirklichen lassen.

„Der Sturzfluten-Schutz für Berschweiler ist mir und der Gemeindeverwaltung sehr wichtig“, sagt Bürgermeister Volker Weber, „niemand will sein Haus plötzlich unter Wasser stehen sehen. Aber die geschätzten Gesamtkosten von rund 600.000 Euro werden wir alleine nur schwer schultern können. Ich werde daher für unser Schutzprojekt bei der Bundes- und Landesregierung werben und versuchen, so viele Fördergelder wie möglich für Berschweiler zu erlangen“, so der Bürgermeister.

Soll das Schutzkonzept funktionieren, ist auch die Kooperation der Bürgerinnen und Bürger und vor allem der Grundstücksbesitzer und – Pächter am Rothenberg nötig. Die geplanten Entwässerungsgräben liegen zum großen Teil auf privaten Flächen. Zum Bau braucht die Gemeinde natürlich das Einverständnis der Eigentümer. „In den kommenden Monaten werden wir mit den Eigentümern in Verbindung treten und hoffen zum Wohle aller darauf, dass möglichst viele sich für unser Projekt gewinnen lassen. Natürlich werden auch die Bürgerinnen und Bürger ausführlich informiert“, so der Bürgermeister.

Starkregenschutz für die gesamte Gemeinde

Parallel zum Sturzflutenkonzept in Berschweiler plant die Gemeinde auch Starkregengefahrenkarten für die gesamte Gemeinde. Diese Karten sollen zeigen, an welchen Stellen in den vier Dörfern eine erhöhte Gefahr durch Sturzfluten und Überschwemmungen nach Starkregen drohen. Bürgerinnen und Bürger können so erkennen, ob ihr Heim oder Grundstück in einem gefährdeten Gebiet liegt.